wuest
Sie sind hier: Nachrichtendetails
Freitag, 28. April 2017

Der Lang-Lkw bewegt die Gemüter

Interview mit Matthias Schork im Weißenburger Tagblatt

Anlässlich des Tags der Logistik 2017 bat das Weißenburger Tagblatt Matthias Schork, den Geschäftsführer der Spedition Wüst, zum Interview. Behandelt wurde der Lang-Lkw, ein umstrittenes Thema. Auch wenn wir wegen des Gefahrgutverbots noch keine Lang-Lkw einsetzen, stehen wir hinter Fahrzeug und würden ihn es gern einsetzen, der Wirtschaftlichkeit und dem Klimaschutz zuliebe. Wir hoffen sehr, dass wir mit unseren Argumenten dazu beitragen konnten, Ängste und Vorbehalte abzubauen. Hier das Interview im Wortlaut:

Herr Schork, warum setzen Sie bei der Spedition Wüst keine Lang-Lkw ein?

Matthias Schork: Wir sind vom Lang-Lkw absolut überzeugt. Zwei Lang-Lkw-Fahrten ersetzen drei Fahrten mit herkömmlichen Lkw. Daraus resultieren Effizienzgewinne und eine Kraftstoffersparnis zwischen 15 und 25 Prozent. Der Lang-Lkw ist ein Klimaschützer. Auch müsste keiner unserer Fahrer befürchten, dass seine Stelle wegen eines Lang-Lkw eingespart werden könnte. Wir wachsen und suchen deshalb regelmäßig Fahrer. Deshalb haben wir lange mit uns gerungen, ob wir zwei Lang-Lkw anschaffen sollen, weil für uns die Vorteile auf der Hand liegen.

Warum haben Sie dennoch nicht in Lang-Lkw investiert?

Schork: Das Problem ist: Die Beförderung von Gefahrgut auf Lang-Lkw ist kategorisch ausgeschlossen. Im Stückgutverkehr transportieren wir alle Güter des täglichen Bedarfs, also beispielsweise auch Spraydosen oder Einwegfeuerzeuge. Eine Palette Haarspray auf dem Lang-Lkw ist verboten. Im konventionellen Lkw darf ich Haarspray bis unter das Dach verladen. Bei allem Verständnis für Sicherheitsbedenken: Die Sinnhaftigkeit dieser Vorschrift erschließt sich mir nicht.

Der Lang-Lkw bekommt in der Öffentlichkeit viel Gegenwind. Können Sie die Bedenken verstehen?

Schork: Ein normaler Lkw mit Maschinenwagen und Anhänger darf maximal 18,75 Meter lang sein, ein Sattelzug ist 16,50 Meter lang. Ein Lang-Lkw darf maximal 25,25 Meter lang sein. Das ist ein Unterschied. Aber im Verkehrsgeschehen muss man schon genau hinschauen, um einen Lang-Lkw überhaupt zu erkennen. Ich denke, dass beim Thema Lang-Lkw viel mit den Ängsten der Menschen gespielt wird. Fünf Jahre Feldversuch haben gezeigt, dass es während der Testphase keine Hinweise auf höhere Unfallraten oder schwerere Unfälle gegeben hat. Im Gegenteil: Die Fahrer der Lang-Lkw sind besonders geschult, deshalb ist sogar eine Tendenz zu weniger Unfällen zu beobachten. Auch gelten für den Lang-Lkw dieselben Gewichtsbeschränkungen wie für konventionelle Lkw, 40 Tonnen im Straßenverkehr und 44 Tonnen im Zulauf auf die Bahnverladung. Deshalb gehen auch die Straßen durch den Lang-Lkw nicht schneller kaputt. Das wurde in der Vergangenheit sehr oft, auch von seriösen Medien, falsch dargestellt. Mein Fazit: Es ist gut, dass der Regelbetrieb jetzt erlaubt ist. Fünf Jahre Testzeit waren lang genug.

Bekommen wir wegen der Lang-Lkw noch mehr Verkehr, weil Güter von der Schiene auf die Straße verlagert werden?

Schork: Tatsache ist: Wo heute drei konventionelle Lkw auf der Straße fahren, sind zukünftig nur noch zwei Lang-Lkw unterwegs. Die Bahn spielt bei diesen Überlegungen keine Rolle. Auf der Schiene fahren heute schon schienenkonforme Güter, also Massengüter. Dort oder auch beim Containerverkehr vom Seehafen ins Hinterland ist die Bahn sehr gut und hat ihre Berechtigung. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Bahn durch den Lang-Lkw kein Gramm fehlen wird. Mit einiger Wahrscheinlichkeit kann der Lang-Lkw sogar mehr Volumen auf die Schiene bringen, weil er sich gut für den Zulauf auf den Kombiverkehr eignet.

Falls sich die Spedition Wüst doch noch für den Lang-Lkw entscheidet, müssten die Menschen fürchten, dass Lang-Lkws durch Weißenburger Wohngebiete fahren?

Schork: Auch bei dem Thema wird mit der Angst der Menschen gespielt. Für den Lang-Lkw gibt es ein Positivnetz aus 11 600 Kilometern Fernstraßen und großen Durchgangsstraßen. Wohngebiete sind definitiv nicht im Positivnetz. Außerdem wäre es unsinnig, den Lang-Lkw durch ein Nadelöhr zu zwängen.